Wenn Sie regelmäßig denselben Betrag in einen ETF investieren, kaufen Sie bei niedrigen Kursen mehr Anteile als bei hohen. Diesen Recheneffekt nennt man Cost-Average-Effekt. Dadurch kann Ihr durchschnittlicher Kaufpreis pro Anteil sinken. Einen verlässlichen Renditevorteil bringt der Effekt aber nicht.
Mit einem ETF-Sparplan investieren Sie regelmäßig Geld aus Ihrem Einkommen. Bei einer größeren Summe, die bereits bereitliegt, geht es um eine andere Entscheidung: Investieren Sie alles sofort oder verteilen Sie die Käufe über einen längeren Zeitraum?
So funktioniert der Cost-Average-Effekt
Angenommen, Sie investieren dreimal jeweils 100 Euro. Der ETF-Anteil kostet beim ersten Kauf 50 Euro, beim zweiten 25 Euro und beim dritten wieder 50 Euro. Bei den drei Käufen erwerben Sie 2, 4 und 2 Anteile, also 8 Anteile für 300 Euro.
Ihr durchschnittlicher Kaufpreis liegt bei 37,50 Euro pro Anteil. Der einfache Durchschnitt der drei Kurse beträgt dagegen rund 41,67 Euro. Der Unterschied entsteht, weil Sie beim niedrigen Kurs für denselben Betrag mehr Anteile bekommen.
Das Beispiel erklärt die Rechenregel, aber noch nicht die Rendite. Dafür zählt, wie sich der Wert aller gekauften Anteile entwickelt und wann das Geld investiert wurde. Ein niedrigerer Durchschnittspreis pro Anteil zeigt allein also nicht, mit welcher Strategie Sie am Ende mehr Vermögen haben.
Warum steigende Kurse Raten bremsen
Bei steigenden Kursen kaufen die späteren Raten weniger Anteile. Eine bereits verfügbare Summe, die sofort investiert wird, ist dagegen länger vollständig im Markt.
Bei einem steigenden Markt kann die Einmalanlage deshalb bis zum letzten Kaufzeitpunkt einen höheren Wert erreichen als gestaffelte Käufe. Der Vergleich berücksichtigt weder Gebühren noch Steuern oder Ausschüttungen. Er zeigt, dass Ihnen durch das Warten bei einer bereits verfügbaren Summe mögliche Rendite entgeht.
Fällt der Kurs direkt nach einer Einmalanlage, verliert die Anlage zunächst an Wert: Bei gestaffelten Käufen bleibt ein Teil des Geldes noch uninvestiert und nimmt an diesem Rückgang nicht teil. Die Raten können den Verlust in solchen Fällen abmildern. Sie schützen aber nicht vor Verlusten, wenn der ETF insgesamt an Wert verliert.
Was Einmalanlage und Staffelung historisch zeigen
Eine Untersuchung von Vanguard aus dem Jahr 2023 verglich eine sofortige Anlage mit drei gleich hohen Käufen im Abstand von jeweils einem Monat. Bei globalen Aktien auf Basis des MSCI World von 1976 bis 2022 schnitt die Einmalanlage in 68 Prozent der untersuchten Zeiträume von jeweils einem Jahr besser ab. Diese Zeiträume begannen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und überschnitten sich.
Auch beim mittleren Endwert lag die Einmalanlage vorn. In den schlechtesten betrachteten Fällen war dagegen die Staffelung günstiger.
Diese Ergebnisse beschreiben historische Zeiträume und eine bestimmte Staffelung. Die Werte sagen nicht voraus, welche Variante künftig besser abschneidet. Im untersuchten Zeitraum lag die Einmalanlage häufiger und beim mittleren Ergebnis vorn. Gestaffelte Käufe schnitten in manchen starken Rückgängen besser ab.
Sparplan und Einmalsumme trennen
Bei einem Sparplan aus dem Gehalt investieren Sie Geld, das erst nach und nach verfügbar wird. Sie können den gesamten künftigen Betrag nicht schon heute anlegen. Regelmäßige ETF-Käufe helfen dabei, laufendes Einkommen konsequent zu investieren, ohne auf vermeintlich günstige Kurse zu warten.
Anders liegt der Fall, wenn Sie eine größere Summe bereits besitzen und sie bewusst zurückhalten, um sie über mehrere Monate anzulegen. Währenddessen bleibt ein Teil des Geldes außerhalb des ETFs. Historisch hatte die sofortige Anlage in den untersuchten Vergleichen meist den höheren Endwert, weil das Geld länger investiert war. Wenn Sie die Summe aus Sorge vor einem direkten Kursrückgang lieber aufteilen, entscheiden Sie sich damit für einen gestaffelten Einstieg und nehmen mögliche Renditeeinbußen in Kauf.
Mehrere Käufe können je nach Anbieter mehr Gebühren verursachen als eine einzelne Order. Prüfen Sie deshalb die Konditionen Ihres Depots, bevor Sie eine vorhandene Summe auf viele Ausführungen verteilen.
Was der Cost-Average-Effekt bringt
Bei niedrigen Kursen kauft ein fester Eurobetrag durch den Cost-Average-Effekt mehr ETF-Anteile. Das ist ein Recheneffekt und kein zusätzlicher Renditebonus. Ein Sparplan kann außerdem dabei helfen, regelmäßig zu investieren und den Einstieg nicht vom Versuch abhängig zu machen, den perfekten Zeitpunkt zu treffen.
Wenn Sie eine bereits verfügbare Summe anlegen wollen, sprechen die historischen Vergleiche eher für die sofortige Anlage. Eine Staffelung kann besser zu Ihnen passen, wenn Sie sonst aus Sorge vor einem ungünstigen Einstieg gar nicht investieren würden. Legen Sie dann vorab fest, über welchen Zeitraum Sie die Summe verteilen, statt auf einen vermeintlich idealen Kurs zu warten.
